An der Pfaff Creativa 1467 meines Freundes hat vor kurzer Zeit der Anlasser den Geist aufgegeben. Eine gründliche Ursachenforschung zeigte, dass die Kontaktfeder im Anlasser gebrochen war. Also musste Ersatz her.

Die erste Ernüchterung kam bei der Recherche. Das Ersatzteil, eine Kontaktfeder für den ATK 0033 Anlasser von Pfaff gibt es zwar online, aber dieses winzige Stückchen Blech mit einem kleinen Kohlestift sollte 17€ kosten. Damit kann man sich die Kosten einer Reparatur beim Nähmaschinenmechaniker ja lebhaft ausmalen. Das Teil selbst ist auch so fragil, dass die Wahrscheinlichkeit es bei der Reparatur oder beim Transport zu beschädigen relativ hoch ist. Aber außer einen neuen Anlasser kaufen, gab es keine Alternative. Also den Ärger über so übertriebene Preise für ein einfaches Ersatzteil runter geschluckt und bestellt.

Hier ist das wertvolle Teil. Auffällig ist, dass im Gegensatz zum Originalteil kein Kohlestift verbaut ist, sondern eine Stahlkugel, die über den Gegenkontakt geschleift wird. Ob das nicht die Graphitschicht auf dem kleinen Board auf der Gegenseite abschleift, muss man sehen.

Für die Reparatur braucht man folgendes Equipment

  • den Anlasser/Fußschalter/Gaspedal
  • einen Kreuzschraubendreher
  • einen kleinen Behälter um die Schrauben und Abdeckungen aufzubewahren
  • einen Schlitzschraubendreher um die Gummiabdeckung zu entfernen
  • das Ersatzteil

Und los gehts:

Zuerst mit dem Schlitzschraubendreher vorsichtig die Gummiabdeckung und die Stopfen entfernen und beiseite legen

Mit dem Kreuzschraubendreher die Schrauben lösen und beiseite legen.

Die untere Verkleidung des Anlassers abheben und die Schalterabdeckung abheben.

Hier gehört das Ersatzteil hin. Die Metallkugel an dem kleinen Blech schleift über die schwarze Graphitschicht auf der Platine.

 

Jetzt wirds etwas fummelig, die Schalterabdeckung muss wieder aufgesetzt werden und dabei das kleine Blech so positioniert, dass die Kugel auf die kleine Platine drückt. Dafür verwendet man am besten ein schmales Werkzeug oder einen Stift und federt den kleinen Blecharm mit der Kugel VORSICHTIG  ein wenig zurück, so dass er auf die richtige Seite der Platine kommt. Hier wirklich mit Gefühl arbeiten, damit man das kleine Blech nicht dauerhaft verbiegt.

Gut festhalten und den schwarzen Drahtbügel in die Klammern bugsieren. Anschließend das Kabel wieder richtig legen und die Verkleidung aufsetzen.

Jetzt sollte man das Ganze erstmal provisorisch mit 2 Schrauben verschließen und probieren, ob der Anlasser wieder richtig arbeitet. Also an die Maschine anschließen und ausprobieren, ob sich bei verschieden durchgetretenem Pedal auch wieder die gewohnten Geschwindigkeiten beim Nähen einstellen.

 

Wenn nicht, müsst ihr das Gehäuse wieder öffnen und die Kontaktfeder neu positionieren.

Wenn alles wieder funktioniert, einfach die Schrauben wieder ordentlich reindrehen und die Gummiabdeckungen zurück auf die Löcher stecken.

Voila.

Warum schreib ich das Ganze hier? Obwohl ich eine technische Ausbildung habe, habe oft immer noch Angst, Dinge selbst zu reparieren. Ich habe diese absurde Vorstellung, dass sich das kaputte Teil, sobald ich die letzte Schraube rausdrehe, in einer Fontäne von Einzelteile auflöst und ich es nicht wieder zusammen bekomme. Das ist natürlich Unsinn. Aber einfach mal ein paar Fotos von Sachen sehen zu können, wie sie aussehen und aussehen sollen, wenn man sie öffnet, finde ich beruhigend und es ermutigt mich, mich doch mal an die Reparatur zu wagen. Viele Sachen, die man daheim rumfliegen hat, sind tatsächlich erstaunlich wartungsfreundlich, wenn man sich einfach mal durchringt sie zu öffnen. Gerade für Nähmaschinen bekommt man reichlich Ersatzteile online, d.h. einen Versuch ist es allemal wert. Kaputt ist das Teil ja eh schon.

 

PS: vielen Dank an meinen Freund für die Idee, Durchführung der „Operation“ und Einsatz als Model.

Ein kleines Reparatur-Tutorial….
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2 Gedanken zu „Ein kleines Reparatur-Tutorial….

  • 16. August 2017 um 11:57
    Permalink

    Solche Erfahrungen finde ich immer spannend. Danke dass Du so ausführlich darüber schreibst.
    U.a. habe ich noch eine Veritas Maschine hier, da finde ich die Reaktion des Pedals immer etwas spät und träge. Ich frage mich, ob die Spannung der Kontaktfeder im Laufe der Zeit nachgelassen hat.
    Der Kohleersatz ist wie Du schreibst auch nicht gut … Wegwerfgesellschaft
    LG Ute

    Antworten
    • 27. August 2017 um 20:17
      Permalink

      Hallo Ute,
      kann schon sein, dass der Kontakt bissl nachgelassen hat. Entweder, weil der Kohlestift abgetragen ist oder die Federspannung nachlässt. Evtl. mal nachschauen.
      Das mit dem Ersatz der Kohle ist nicht unbedingt schlecht. Der Kohlestift trägt sich ja über die Zeit auch ab, muss also zwangsläufig irgendwann ersetzt werden. Generell ist eine Metallkugel wahrscheinlich langlebiger. Es kann aber sein, dass ich halt nicht das passende Gegenstück in meinem Anlasser hab und sich das deswegen stärker auf der Gegenseite abnutzt. Wir sehen mal.

      Antworten

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